Spannendes Hintergrundgespräch mit Werner Sonne

Ein älterer Mann lächelt strahlend in die Kamera.
Werner Sonne, der für die Jubilarehrung der KJV von Berlin nach Köln gekommen war, vermittelte in einem Hintergrundgespräch kompakte und zugleich differienzeirte Informationen zum Nahost-Konflikt. | Foto: Carmen Molitor

Ist das Thema Staatsräson noch zeitgemäß? Wo steht Israel heute und wie könnten sich die historischen Wahlen am 27. Oktober auswirken? Über diese spannenden Fragen hat der ehemalige ARD-Korrespondent Werner Sonne am 11. September in einem Hintergrundgespräch für die KJV referiert. Grundlage seiner Einschätzungen war nicht nur seine kurz zuvor beendete Recherchereise nach Israel, sondern eine kontinuierliche Beschäftigung seit den 1970er Jahren und insgesamt rund 60 Reisen in die Region.

Sonne machte deutlich, dass bei den Wahlen wohl eine grundlegende Richtungsentscheidung fallen wird: Je nach dem Wahlausgang bleibe Staat der Israel eine weltoffene, liberale und tolerante, demokratische Gesellschaft oder werden zu einem Gottesstaat, in dem die Ultra-Orthodoxen und Ultranationalen das Sagen haben.

Schon für die Einladung zum Hintergrundgespräch hatte Werner Sonne die Situation im Nahen Osten komplakt zusammengefasst: Er zeichnete darin das Bild eines Landes, das von Frieden weit entfernt ist. „Praktisch täglich wird geschossen, in Gaza wie auch im Libanon. Die Iran-Krise ist ungelöst. Das Trauma des Hamas-Überfalls vom 7. Oktober 2023 wirkt fort, eine politische Aufarbeitung wurde von der Netanjahu-Regierung bislang verhindert.“ Mit dem brutalen Vorgehen ultranationaler Kräfte in den besetzten Gebieten in  Palästina, werde versucht, „noch vor den Wahlen Fakten zu schaffen, die nicht mehr umkehrbar sein sollen“. Ziel sei die endgültige Annektierung der Westbank und die Vertreibung der Palästinenser.

Sonne machte deutlich, dass die zunehmende internationale Isolierung Israels auch die deutsche Regierung vor Herausforderungen stelle. Die von Kanzlerin Merkel ausgerufene Staatsräson für Israels Sicherheit komme zunehmend auf den Prüfstand, auch weil die Distanz in der Bevölkerung wachse und der Antisemitismus zunehme. 

In dem sehr differenzierten Gespräch erläuterte Sonne viele Details, aber auch größere Zusammenhänge, die in der allgemeinen Medienberichterstattung nicht vorkommen. Ein erkenntnisreicher Abend, aus dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit zusätzlichem Hintergrundwissen herausgingen, um sich eine fundiertere Meinung zum Nahost-Konflikt bilden zu können.|| Corinna Blümel