Gefälscht wurde immer

Warum glauben wir, was wir sehen? Wie wurde gefälscht, bevor es einfach zu bedienende Bildgeneratoren gab? Und welche Realität bilden Dokumentarfilme eigentlich ab? Diese Fragen behandelt die Dokumentation „Born to Fake“, die im Mai in verschiedenen Kinos in NRW lief. Im Rahmen einer Kooperation zwischen Filmfirma und DJV-NRW spendierte die Kölner Journalisten-Vereinigung (KJV) 30 Karten für Mitglieder.

DrEi Männer stehen vor einer Kinoleinwand, auf der eine Strandsezene abgebidlet ist. Der Mann links trägt einen Anzug und spricht in ein Mirkofon zu den beiden anderen. Die sind informeller gekeidet und wenden sich ihm zuhörend zu.
Nach dem Film sprachen (v. l.) Frank Überall, Benjamin Rost und Erec Brehmer über Dokumentarfilme und über Fälschungen in Vergangenheit und Gegenwart. | Foto: Corinna Blümel

„Born to Fake“ handelt von einem großen Medienskandal, der die Öffentlichkeit vor 30 Jahren erschütterte, als das Privatfernsehen noch jung war: Michael Born hatte seit 1990 mit Komparsen und einfachsten Hilfsmitteln zahlreiche Beiträge gefälscht. Bis das 1996 auffiel, liefen sie bei Stern TV, Spiegel TV, aber auch beim WDR-Magazin ZAK. Manches beruhte auf ins Sensationelle übertriebene Teilwahrheiten, anderes war nur absurd: Katzenjäger, Süchtige, die für einen kurzen Rausch an Kröten lecken, angebliche Ku-Klux-Klan-Treffen in der Eifel und Kinder, die in Indien für Ikea schuften.

Mit der Dokumentation „Born to Fake“ haben sich Erec Brehmer und Benjamin Rost auf die Spuren Michael Borns begeben, der 2019 verstorben ist. Ausgangspunkt der Doku waren Kisten aus dem Nachlass mit hunderten Stunden Rohmaterial, darunter auch solches von bisher nicht aufgedeckten Fälschungen. Zusammen mit den Erinnerungen ehemaliger Weggefährtinnen und -gefährten ergab sich – ganz ohne Kommentare der Filmemacher – das unterhaltsame Porträt eines Underdogs und Fälschers, der behauptete, nur auf Anforderungen der Auftraggeber reagiert zu haben. Damit verhandelt der Film auch medientheoretische Fragen zum Filmemachen, zu Realitätsebenen und zu Fake News.

Das anschließende Filmgespräch mit den beiden Filmemachern und Frank Überall, KJV-Mitglied und ehemaliger Vorsitzender des DJV-Bundesverbands, vervollständigte den Bezug zur Gegenwart. Klar ist: Gefälscht wurde schon immer. Nur ist es heute so viel einfacher – und die Distribution hängt nicht mehr am Fernsehen. Wem also noch vertrauen?

Vielleicht könnte der Vertrauensverlust genau deswegen auch kippen, sagte Überall und äußerte die Hoffnung, dass „das Bewusstsein für verlässliche Medien eine Renaissance erlebt“.|| Corinna Blümel