Große Oper, viel Theater?

Carola Horster (3. v.r.) vermittelte mit Begeisterung, was große Bühnenbauten heute leisten können und wo die Probleme bei Neubauten und Sanierungen liegen. | Foto: Corinna Blümel

Wer Kölnerinnen und Kölner auf das Thema Opernbau anspricht, erntet Reaktionen zwischen Frust und Häme. Kein Wunder. Als die KJV die Baustelle der Oper im September 2013 besuchte, war man noch gewiss, den Riphahn-Bau am Offenbachplatz im Zeitplan zur Spielzeit 2015/16 wieder zu eröffnen. Heute weiß man, dass das Trauerspiel um die Sanierung der Köln Oper noch eine ganze Weile dauern wird. 

Wie tröstlich zu erfahren, dass andere Opernbauten auch ihre Probleme haben: Das erfuhren Teilnehmerinnen und Teilnehmer der KJV bei einer exklusiven Führung durch eine Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK): Große Oper – viel Theater? Bühnenbauten im europäischen Vergleich“.

19 Bühnenprojekte aus Deutschland und Europa präsentierte die Ausstellung, darunter Komplettsanierungen historischer Anlagen wie Schauspiel und Oper in Köln oder die Berliner Staatsoper Unter den Linden, bei denen Zeitplan und Kosten aus dem Ruder liefen, aber auch spektakuläre Neubauten wie Elbphilharmonie in Hamburg oder Norske Opera & Ballett in Oslo , die architektonische und städtebauliche Akzente setzen. 

Durch die Ausstellung führte Carola Horster vom Arbeitskreis MAKK, die mit ansteckender Begeisterung erläuterte, was große Bühnenbauten heute leisten können, welche Rolle in einer Stadt sie heute im Vergleich zu früher spielen. Denn die gesellschaftlichen Vorstellungen und Ansprüche haben sich verändert. Entsprechend geht es bei öffentlichen Kulturbauten nicht mehr um Abgrenzung gegenüber „niederen“ Schichten, sondern um Transparenz, Kommunikation und Offenheit. Das Schauspielhaus in Kopenhagen etwa wurde als Haus geplant, das der Stadtgesellschaft 24 Stunden zur Verfügung stehen sollte.  

Besonders interessierte die Journalistinnen und Journalisten natürlich, wo die Probleme bei Sanierungen wie in Köln liegen. Dazu gehören, wie Carola Horster erläuterte, bei weitem nicht nur die Anforderungen an heutige Bühnentechnik und -maschinerie. Viel schwerer noch wiegen Auflagen für öffentliche Gebäude, etwa hinsichtlich Barrierefreiheit, Brandschutz und Fluchtwegen. Selbst die Belüftung macht Probleme: Um die heute erforderliche Strömungsgeschwindigkeit ­ohne Nebengeräusche zu erreichen, braucht es weit größere Lüftungrohre, als nach dem Krieg gebaut wurden.

Konzipiert wurde die Ausstellung vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) anlässlich der Diskussion über die Zukunft der Städtischen Bühnen Frankfurt, wo es ähnlich wie in Köln um die Entscheidung zwischen Abriss und Sanierung ging. ||

 

Die KJV dankt Kirsten Reinhardt, die Führung und Besuch vermittelt hat, sowie Carola Horster für die spannenden Erläuterungen. 

   

 

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