Meldungen
Nach dem Streik ist vor …
Für die Kolleginnen und Kollegen der Kölner Tageszeitungen hat der Streik im vergangenen Jahr mehr gebracht als die Abwehr der Verlegerforderungen und das kleine Gehaltsplus: Redakteure und Freie von Kölner Stadt-Anzeiger (KStA), Kölnischer Rundschau (KR) und Express haben sich erstmals als gemeinsame Gruppe verstanden. Und auch DJV und dju/Ver.di arbeiteten vor Ort wie überall im Lande hervorragend zusammen.
Manifestiert hatte sich das Wir-Gefühl der Kölner Truppe nicht nur bei den zahlreichen Streiktreffen, auf denen wichtige Informationen ausgetauscht wurden: etwa wie bestimmte Redaktionen was handhaben. Oder was im einen Betriebsrat gerade verhandelt wird, im anderen aber schon abgeschlossen war. Sichtbares Zeichen waren vor allem die beiden Banner mit dem Aufdruck „Zeitungsgruppe Köln“ und „Wir streiken!“. Entstanden waren sie auf Wunsch der Beteiligten, die sie stolz bei allen Demos und Veranstaltungen präsentierten.
Damit diese Vernetzung erhalten bleibt und gestärkt wird, hat die Kölner Journalisten-Vereingung mit finanzieller Unterstützung des Landesverbands und gemeinsam mit der dju am 4. Mai organisiert. Wiederum ein Wunsch, der aus den Redaktionen kam. Entsprechend groß war der ZualufIm Gaffel am Dom trafen sich rund 50 Kolleginnen und Kollegen an dem Freitagabend zu einer Nach-Streik-Feier. Oder einem Vor-Streik-Treffen?
Denn darüber waren sich an dem Abend alle einig: Bei der nächsten Runde ab 2013 werden die Verleger wahrscheinlich wieder was Unschönes probieren. Und die Gewerkschaften werden wieder energisch dagegen halten. In diesem Sinne: Nach dem Streik ist vor dem Streik.
Relevanz oder Firlefanz?
Eine Diskussion beim Deutschlandfunk befasste sich mit Nachrichtenkriterien.

Unter Moderation von Christel Bosbach diskutierten (v.l.) DLF-Nachrichten-Chef Dr. Marco Bertolaso, Medienjournalist Fritz Wolf und Journalistik-Professor Andreas Elter.
Aktualität, Nähe, Prominenz… Welche Ereignisse in der Nachrichtensendung Platz finden, müssen Redaktionen ständig neu entscheiden. Was aber ist eigentlich relevant? Diese Frage lockte rund 30 Journalistinnen und Journalisten aus dem Deutschlandfunk (DLF) und der Kölner Journalisten-Vereinigung (KJV) am 25. April in den Sitzungssaal des Nachrichtensenders im Kölner Süden.
Nachrichten sind nicht gleich Nachrichten, erfuhren die Zuhörer zu Beginn der Diskussion, die die DJV-Betriebsgruppe beim DLF als KJV-Veranstaltung organisiert hatte. Nicht nur im Privatfernsehen dominieren Angstthemen und Buntes, auch die Öffentlich-Rechtlichen lassen sich längst von Katastrophenlust und Unterhaltungswunsch anstecken, erklärte der Medienjournalist Fritz Wolf, der damit die Ergebnisse seiner Überblicksstudie „Wa(h)re Information – interessant geht vor relevant“ von 2011 zusammenfasste. Danach sind die TV-Nachrichten kurzatmiger geworden. Es werde mehr personalisiert, emotionalisiert, ja sogar fiktionalisiert, und das „Herauskitzeln des Skandalpotenzials“ sei heute eine „hohe Kunst von Redakteuren“. Kurz: „Die Säulen Relevanz und Interesse verschieben sich zunehmend.“
Was davon gilt auch für andere Medien? Sollten sich Nachrichtenredaktionen nicht wenigstens einmal im Jahr zusammensetzen, um über die eigene Nachrichtenauswahl nachzudenken? Und was lässt sich aus aktuellen Beispielen ableiten wie der Studie über junge Muslime, über die BILD vorab verkürzt und reißerisch berichtet hatte? Das fragte DLF-Nachrichtenredakteurin Christel Boßbach als Moderatorin die Podiumsteilnehmer Fritz Wolf, den DLF-Nachrichtenchef Dr. Marco Bertolaso und Dr. Andreas Elter, Professor für Journalistik und Studiengangleiter Journalistik der privaten Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK).
Für Elter, der früher u.a. als RTL-Nachrichtenredakteur gearbeitet hat, schließen sich Unterhaltung und Relevanz nicht automatisch aus: „Wenn viele Leute über etwas sprechen, wird es dann nicht relevant?“ Letztlich entscheide das Bauchgefühl der Redaktionen, was sie zur Nachricht machten – erst aus der Beobachtung dieser professionellen Auswahlprozesse sei die Nachrichtenwertforschung in den USA entstanden.
Oft fehlt die Reflexion
Auch Marco Bertolaso wollte das Bunte nicht grundsätzlich verdammen: Ein bestimmtes Maß an Personalisierung und Emotionalisierung helfe den Menschen seit jeher, sich an Informationen zu erinnern. Allerdings hinterfragten die Redaktionen zu selten, „warum was wie gemeldet wurde oder eben nicht“. Falsch sei es auch, wenn sie unreflektiert Begriffe übernähmen, die von interessierter Seite gesetzt würden.
Das „Monopol auf den Rohstoff Information“ haben Journalisten heute nach Bertolasos Überzeugung verloren. „Wir reden über die Gatekeeper-Funktion, aber der Zaun ist gar nicht mehr da.“ Eine Aussage, der Wolf widersprach. Gerade weil die Menge der sofort verfügbaren Informationen ständig wachse, würden Journalisten wieder wichtiger. Und die Medien hätten weiterhin die wichtige Funktion, dass die Gesellschaft sich über wichtige Fragen verständigen könne. Von den Redaktionen forderte der Medienjournalist bessere Mechanismen, um sich nicht von den Inszenierungen der Politik vereinnahmen zu lassen.
Andreas Elter sieht Journalisten ebenfalls in der Aufgabe, die Fülle zu ordnen und zu sieben. Als Beispiel nannte er die Überprüfung von Bilder und Filmen aus dem Netz, etwa damals vom Tahirplatz. Er betonte zudem die gesellschaftliche Funktion von Nachrichten und regte an, die Privatsender auf diese Formate zu verpflichten. Dem hielt Bertolaso entgegen, keine Nachrichten seien besser als schlechte, manipulierende. Da sprach er spöttisch von „Nachrichtoiden“ („hört und fühlt sich an wie eine Nachricht, ist aber keine“).
Aus dem Publikum kamen u.a. Anregungen, dass Sender in den Nachrichten weniger Eigenmarketing machen und dass sie mehr Einordnung bieten sollten. Der DLF-Nachrichtenchef wies darauf hin, dass das nicht zur Kommentierung werden dürfe. Den entscheidenden Punkt nannte aber Moderatorin Christel Boßbach: „Einordnung erfordert eben weitere Recherche, und das kostet Zeit.“ Zeit, die heute in den Redaktionen immer weniger vorhanden ist. ||
Corinna Blümel
Besuch im Lentpark
Am 18. April besuchte die Kölner Journalisten-Vereinigung (KJV) den Lentpark, das neue Eis- und Schwimmstadion, das im vergangenen Jahr eröffnet hat.
Wenige Tage zuvor war zwar die Eislaufsaison beendet worden, aber die KJV-ler konnten noch das Eis im unternen Oval und auf der 260 Meter lange und acht Meter breite Eishochbahn besichtigen. Von ganz oben durch den Keller mit Schlittschuhverleih, Wasseraufbereitung uund Kälte- und Wärmetechnik bis zum neuen Schwimmteich ging es für die Journalistengruppe, angeführt vom Chef des Hauses, Dirk Bremermann.
Das Wasser im Teich wird nicht mit Chlor aufbereitet, sondern mit Pflanzen. Das Ganze war in der Schlussphase vor der Fertigstellung zur Freibadesaison. Ebenfalls noch nicht einsatzbereit sind Innen- und Außensauna. Aber im Innenbecken herrschte schon lebhafter Badebetrieb.
Relevanz oder Firlefanz: Nachrichtenkriterien
Zu einer Podiumsdiskussion rund um das Thema Nachrichtenkriterien lädt die Kölner Journalisten-Vereinigung (KJV) am 25. April ein.
Welche Ereignisse schaffen es in eine Nachrichtensendung, welche nicht? Und was sind die Gründe dafür? Nachrichtenredakteure, denen diese Fragen gestellt werden, nennen zu ihrer Rechtfertigung an erster Stelle ein Stichwort: Relevanz. Was aber ist relevant? Warum schafft es zum Beispiel das Thema (weiterlesen…)
NRW-Gewerkschaftstag: 21. April in Wuppertal
Der DJV-NRW lädt seine Mitglieder am 21. April zum Gewerkschaftstag ein – in diesem Jahr mit den Wahlen für die Fachausschüsse und für den Verbandstag 2012 vom 5. bis 7. November in Kassel. Die Anträge und alle Unterlagen zum Gewerkschaftstag wurden mit dem JOURNAL 2/12 veröffentlicht. Sie können hier als pdf heruntergeladen werden.
Auch der KJV-Vorstand möchte Sie ermuntern, zum Gewerkschaftstag nach Wuppertal zu kommen. Bei dieser offenen Mitgliederversammlung haben Sie die Möglichkeit, über die Arbeit Ihrer Gewerkschaft bzw. Ihres Berufsverbandes mitzuentscheiden. Wie immer gilt das Angebot für KJV-Mitglieder: Wer mit dem Zug nach Wuppertal fährt, kann seine abgefahrene Fahrkarte 2. Klasse hinterher zur Erstattung einreichen (KJV-Anschrift unter Kontakt. Bitte vergessen Sie nicht Ihre Kontodaten!)
Damit Sie Kolleginnen und Kollegen aus Köln und dem Umland kennen lernen und Bekannte wiedertreffen können, reservieren wir im Saal wieder Plätze für die KJV – zu erkennen an den Tischschildern mit KJV-Logo. Zum unkomplizierten „Netzwerken“ eignen sich auch Frühstück und Mittagessen, beides bietet der Landesverband kostenlos an.
Natürlich ist es möglich, sich ganz kurzfristig für die Teilnahme am Gewerkschaftstag zu entscheiden. Aber Sie helfen dem Landesverband bei der Planung, wenn Sie sich für den 21. April anmelden – entweder mit dem Anmeldebogen, der dem JOURNAL beliegt. Oder mit einer Mail an zentrale (at) djv-nrw.de.
Und hier noch mal das Wichtigste auf einen Blick:
Was: Gewerkschaftstag des DJV-NRW 2012
Wann: Samstag, 21 April 2012, 10:00
Wo: Historische Stadthalle, Johannisberg 40, 42103 Wuppertal
Journalisten und Juristen
Spannend, unterhaltsam, informativ: Erster KJV-Talk mit Dr. Reinhard Birkenstock
„Ich muss den Medien gegenüber genauso Überzeugungs-arbeit leisten wie im Gerichtssaal.“ Der Kölner Strafverteidiger Dr. Reinhard Birkenstock hat in der Regel Geduld mit Journalisten, verriet er bei der Kölner Journalisten-Vereinigung (KJV). Der Abend im Klüngelpütz-Theater machte den gelungenen Auftakt zur neuen Veranstaltungsreihe KJV-Talk.
Gesprächsbereit
Um seine Überzeugungsarbeit zu leisten, ist Birkenstock, der selbst mal mit dem Beruf des Journalisten geliebäugelt hat, für die Medienvertreter ansprechbar. Er führt Hintergrundgespräche und hat Verständnis dafür, dass Fernsehteams und Fotografen vor oder direkt nach einem Gerichtstermin Bilder brauchen. Journalisten dürfen auch mal „ganz doof fragen, wenn sie was nicht verstanden haben“.
Seine Geduld hat aber ein Ende, wenn er z.B. gefragt wird, wie es seinem Mandanten geht – nachdem der gerade ein „Lebenslänglich“ kassiert hat. Dann kann es auch schon mal sein, dass er solche „Spinner“ auf dem Gerichtsflur zusammenfaltet. Wie emotional er dabei werden kann, wie sehr er sich mit der Rolle des Strafverteidigers identifiziert, das bekommen auch die Besucher im gut gefüllten Klein-Theater in der Kölner Innenstadt zu spüren. Sie dürfen aber auch herzlich lachen, denn der eloquente Gast verfügt über einen trockenen Humor.
Im Gespräch mit dem stellvertretenden KJV-Vorsitzenden und DJV-Bundeschautzmeister Dr. Frank Überall plaudert Birkenstock über seinen Berufsalltag als prominenter Anwalt, der oft noch prominentere Persönlichkeiten vertritt – so zeitweilig den Ex-Wettermoderator Jörg Kachelmann. Zu dem Prozess bezieht er nicht ausführlich Stellung, aber lässt z.B. erkennen, dass er die Medienkampagnen in diesem Fall fragwürdig fand. Deshalb sei es hier richtig gewesen, dass ein Presserechter Unterlassungverfügungen verteilt habe. Dabei widerspricht das seiner sonstigen Überzeugung, die Vertreter der vierten Gewalt ernstzunehmen.
Nicht nur für Bessergestellte
Dass auch ein Stück Eitelkeit bedient wird, wenn er in solchen Prozessen in der bundesweiten Berichterstattung auftaucht, gibt Birkenstock unumwunden zu. Und er wehrt sich gegen die Frage aus dem Publikum, ob er nur noch bessergestellte Mandanten vertrete: „Ich habe noch keinen weggeschickt, weil er kein Geld hatte“, erklärt er und verrät auch Privates: Als Sohn einer pietistischen Familie in Siegen aufgewachsen habe, er „als kleiner Junge die Armut geschmeckt“.
Verwunderlich findet es der Anwalt, dass die Prozessführung von Richtern in der Berichterstattung kaum kritisch betrachtet wird. Dabei sieht er Journalisten im besten Fall in einer ähnlichen Funktion wie die Strafverteidiger: als „Kontrolleure der Rechtsstaatlichkeit“. Im schlechtesten Fall interessieren sich die Medienvertreter allerdings gar nicht für das, was in einem Prozess wirklich passiert, sondern jagen nur nach Schlüsselthemen wie „Promis, Sex, Kriminalgeschichten und viel Blut“.
Und natürlich bleiben Richter gerade bei Prozessen mit großem Medieninteresse nicht unbeeinflusst von der Berichterstattung. „Auch deshalb leiste ich meine Überzeugungsarbeit bei den Journalisten.“ ||
Corinna Blümel
Ein Blick auf den Arabischen Frühling
„Sei vorsichtig“ – diese SMS-Botschaft schickte ARD-Korrespondent Felix de Cuveland im vergangenen Jahr aus dem Studio Amman an einen bekannten syrischen Journalisten, der für die ARD aus der Hafenstadt Latakia berichten wollte. Eine vergebliche Warnung: Regimetreue Kräfte brachen den Kollegen zwei Rippen und schoren ihm den Kopf. Zur eigenen Sicherheit stellte er die Zusammenarbeit mit der ARD ein. Die Geschichte zeigt, warum deutsche Medien auf die häufig kritiseirten, schwer authentifizierbaren Internetvideos aus dieser Region angewiesen sind. Denn für westliche Medien ist Syrien nicht mehr zugänglich. „Das Hintergrundwissen hilft uns, die (weiterlesen…)
Mitgliederversammlung 13.2.12
Die KJV lädt zu ihrer jährlichen Mitgliederversammlung im Maritim ein (alle Mitglieder haben fristgerecht eine schriftliche Einladung per Post erhalten). Neben dem Bericht des Vorstands werden die Kandidaten für die Delegiertenwahlen zum Bundesverbandstag im November bestimmt.
Nach dem vereinrechtlichen Teil gibt es wieder einen zweiten Programmpunkt – in diesem Jahr geht es um den Arabischen Frühling. Als Gast konnten wir den WDR-Kollegen Felix de Cuveland gewinnen (ARD-Korrespondent Studio Amman). Mehr dazu weiter unten.
Termin: Montag, 13. Februar 2012, 19:00 Uhr
Ort: Maritim, Heumarkt 20, Köln-Innenstadt
voraussichtlich Raum Titisee (unsere Veranstaltung wird ausgeschildert)
(Anreise mit der KVB: An der Station Heumarkt halten die Bahnen 1, 7 und 9.
Anreise mit dem Pkw: kostenpflichtiges Parkhaus im Maritim, in der Nähe diverse Innenstadt-Parkhäuser)
Mit einer Anmeldung an djv-koeln@gmx.de (als Spamschutz nicht verlinkt) helfen Sie uns bei der Planung.
KJV unterwegs
Manchmal zählt Schnelligkeit: Als die Kölner Journalisten-Vereinigung (KJV) per Mail nach längerer Zeit mal wieder eine Führung übers Dach des Kölner Doms anbot, war die maximale Gruppengröße von 20 Personen nach wenigen Stunden erreicht. Mit gutem Grund: KJV-Schatzmeister Herwig Knips hatte dafür Dombaumeisterin Prof. Barbara Schock-Werner gewinnen können, und das sogar für zwei Touren.
Wer noch nie dort oben war, staunt über die innere Dachkonstruktion der (weiterlesen…)
Frische Termine für 2012
Die KJV startet mit einigen Terminen ins neue Jahr, die hoffentlich für unsere Mitglieder interessant sind:
Am 17. Januar bieten wir nach längerer Zeit wieder eine Führung durch die Synagoge in der Roonstraße an (nur mit Anmeldung, alles Weitere s.u.).
Am 13. Februar findet unsere Mitgliederversammlung 2012 statt. Wie immer gibt es nach (weiterlesen…)










