Von Mode, Mut und Müll

Über Mode vor allem im beruflichen Alltag diskutierten unter Moderation von Christel Wickerath (r.) die Expertinnen  (v.l.) Bloggerin Ninia LaGrande, Modedesignerin Heidi Beck und Stilberaterin Astrid Windfuhr. Foto: Bernd Arnold

Über Mode vor allem im beruflichen Alltag diskutierten unter Moderation von Christel Wickerath (r.) die Expertinnen (v.l.) Bloggerin Ninia LaGrande, Modedesignerin Heidi Beck und Stilberaterin Astrid Windfuhr. Foto: Bernd Arnold

 

Wieviel Statement steckt in dem, was wir tragen? Ist Mode ein ästhetisches Vergnügen oder mehr? Und was sagt sie über das Selbstverständnis der Trägerin (oder auch des Trägers) aus? Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine Podiumsdiskussion unter dem Motto „Frauen.Macht.Mode“ Mitte Januar in Köln. Zum vierten Mal hatte die Kölner Journalisten-Vereinigung (KJV) zusammen mit den Regionalgruppen anderer Verbände einen Neujahrsempfang ausgerichtet. Die Idee dahinter: den Mitgliedern die Vernetzung über die Grenzen des jeweiligen Verbands hinaus zu ermöglichen. Dazu diente der Aperitif zum Auftakt der Veranstaltung genauso wie das anschließende Büffet.

Welcher Dresscode vor allem im beruflichen Leben gilt und wie stark man ihn brechen kann und sollte, hängt von der Branche und dem einzelnen Anlass ab, aber auch von der persönlichen Einstellung. Das zeigte die Diskussion unter Moderation
der Fachjournalistin Christel Wickerath. Ihre Gesprächspartnerinnen waren die Bloggerin und Poetry-Slammerin Ninia LaGrande, die Modeschöpferin Heidi Beck und Kommunikationstrainerin und Stilberaterin Astrid Windfuhr.

Sich ein wenig, aber nicht zu radikal vom Erwartungshorizont abzuheben sorgt für positive Aufmerksamkeit, erklärte Astrid Windfuhr. Dabei sollte das Auftreten für einen selbst stimmig sein. Auch Ninia LaGrande fand es selbstverständlich, dass sie bei einer Veranstaltungsmoderation für Banker anders antritt als bei eher informellen Gelegenheiten. Sie hob hervor, dass Individualität gerade für jüngere Frauen eine wichtige Rolle spiele. Modeblogs sieht sie als Plattform für Frauen, die in früheren Zeiten kaum Möglichkeit gehabt hätten, in die Medien zu kommen.

Für deutlich weniger Konventionen und mehr Individualität in allen Altersgruppen warb Heidi Beck: „Heute kann man anziehen, was man möchte. Man muss einfach den Mut haben, dann werden sich die anderen schon dran gewöhnen.“ In die Diskussion über den Mut, den vor allem Jüngere heute brauchen, wenn sie Konventionen nicht genügen wollen, schaltete sich später auch das überwiegend weibliche Publikum ein.

Dass Kleidung und Mode ein Politikum sind, hatte der einführende Vortrag von Dr. Gisela Burckhardt gezeigt. Die Vorstandsvorsitzende der Initivative FEMNET sprach über Arbeitsbedingungen in Modeproduktionsländern und warb dafür, bewusster zu konsumieren. Denn von rund 60 Kleidungsstücken, Schuhen und Accessoires, die jeder Deutsche jährlich kauft, werden Studien zufolge gerade mal 40 Prozent getragen. Der Rest landet als Fehlkauf im Müll oder auf dem Secondhand-Markt. Letzteres empfahl Burckhardt als bessere Variante.

Die Expertin machte deutlich, dass teure Kleidung nicht automatisch bessere Arbeitsbedingungen für Textilarbeiterinnen bedeutet. Auch der Wildwuchs verschiedener Label für fair produzierte Kleidung bringt keine schnelle Klarheit für Konsumentinnen und Konsumenten. Wer sich mit gutem Gewissen einkleiden will, muss sich intensiver mit der Materie befassen und sollte auf jeden Fall die Maxime „weniger ist mehr“ beherzigen.

Corinna Blümel

Zu Beginn stellten die Vertreterinnen der beteiligten Netzwerke ihre Organisationen vor. Foto: Bernd Arnold

Zu Beginn stellten die Vertreterinnen der beteiligten Netzwerke ihre Organisationen vor. Foto: Bernd Arnold

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