Ein Blick auf den Arabischen Frühling

Felix de Cuveland
Felix de Cuveland berichtete über seine Zeit als ARD-Korrespondent in Amman. Foto: cbl

„Sei vorsichtig“ – diese SMS-Botschaft schickte ARD-Korrespondent Felix de Cuveland im vergangenen Jahr aus dem Studio Amman an ­einen bekannten syrischen Journalisten, der für die ARD aus der ­Hafenstadt Latakia berichten wollte. Eine vergebliche Warnung: ­Regimetreue Kräfte brachen den Kollegen zwei Rippen und ­scho­ren ihm den Kopf. Zur eigenen Sicherheit stellte er die Zusammenarbeit mit der ARD ein. Die Geschichte zeigt, ­warum deutsche Medien auf die häufig kritiseirten, schwer authenti­fizierbaren Internet­videos aus dieser Region ­angewiesen sind. Denn für westliche Medien ist Syrien nicht mehr zugänglich. „Das Hintergrundwissen hilft uns, die Geschehnisse einzuordnen, auch wenn wir nicht vor Ort sind.“

Die Umbrüche beschäftigen die Medien auch ein Jahr nach dem „Arabischen Frühling“. Deshalb hatte die Kölner Journalisten-Vereinigung (KJV) für den 13. Februar Felix de Cuveland eingeladen, bis zum Sommer 2011 Korrepsondent im ARD-Studio in Amman. Über seine Erfahrungen sprach er mit Landesvorstandsmitglied ­Nicola Balkenhol und diskutierte im Anschluss mit den KJVlern.

Aus der jordanischen Hauptstadt deckt die ARD das Berichtsgebiet Irak, Libanon, Syrien und Persischer Golf ab. Jahrelang konnten de Cuveland und seine Kollegen zwar nicht frei von Hemmnissen etwa bürokratischer Natur, aber doch insgesamt problemlos aus diesen Ländern ­berichten. Das war vorbei, als die „Arabel­lion“ auch hier startete. Er selbst hat sich in den Jahren in Amman nie bedroht gefühlt, erzählt de Cuveland. Aber wenn man etwa berichtete, dass die syrischen Streitkräfte gezielt in Wohngebiete schossen, dann wurde man in Mails und Anrufen mit ­Beschimpfungen überzogen.

Schleichender kultureller Wandel

Waren die Umbrüche absehbar? Nicht absehbar, aber im Nachhinein erkennt de Cuveland die Vorzeichen einer schleichenden kulturellen Veränderung. Als er 2008 nicht mehr wie zuvor vertretungsweise in Jordanien arbeitete, sondern als fester ARD-Korrespondent, traf er auf den Plätzen Ammans junge, gut ausgebildete, diskussionsfreudige  Menschen, die sich nichts mehr vormachen lassen wollten. „Jeder dort nutzte Facebook und Twitter, das öffnete den Blick in die Welt.“

Felix de Cuveland und Nicola Balkenhol
Felix de Cuveland und Nicola Balkenhol im Gespräch mit den KJV-Kollegen. Foto: cbl

Dass es plötzlich ein interessantes Nachtleben in Amman gab – mit ­Alkohol –, wollten die Redaktionen in Deutschland nicht so recht glauben. Zwar konnte er den entsprechenden Beitrag absetzen. Aber seine ­Erfahrung deckt sich mit der anderer Korrespondenten: „Die Komplexität des Lebens dort, die kulturelle Vielfalt lässt sich in unseren Medien kaum abbilden. Das findet meist nur einen Platz in den Nischenprogrammen.“ Wenn dagegen ­etwas Spektakuläres passiere, müsse man den Heimatredaktionen nichts mehr verkaufen, „dann wird man von Anrufen überrollt“.

Zu den Arbeitsbedingungen von Korrespondenten gehört es auch, dass die Berichtsgebiete eigentlich zu groß sind. Schwer nachvollziehbar ist für de Cuvleand, dass das Studio Amman bald geschlossen wird. Diese Region soll dann zusätzlich von Kairo aus abgedeckt werden.

Gut besuchte Mitgliderversammlung

Dem Gespräch mit de Cuveland vorangegangen der vereinsrechtliche Teil der KJV-Mitgliederversammlung mit einem kompakten Rückblick auf das ­zurückliegende Jahr, auf die lebhaften Streikaktivitäten der Kölner Tageszeitungen im Sommer 2011, die zögerliche Umsetzung der Vergütungsregeln für freie Journalisten in den gleichen Häusern und auf verschiedene gut besuchte KJV-Veranstaltungen. Über eine ordentliche Resonanz konnte sich die KJV auch an diesem Abend freuen: Trotz drohender Wetterkapriolen (nach starkem Frost war Eisregens zu befürchten) kamen fast fünfzig Mitglieder ins Maritim.

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