Ausflug in Kölns dunkle Vergangenheit

Unter dem Motto „KJV vor Ort“ bietet die Kölner Journalisten-Vereinigung ihren Mitgliedern regelmäßig Besichtigungen und Gespräche rund um das Kölner Wirtschafts- und Kulturleben an. Anfang November besuchten rund 20 Mitglieder und Angehörige das EL-DE-Haus am Appellhofplatz, um sich einen Eindruck von der nationalsozialistischen Vergangenheit der Stadt zu machen.

Am Nachmittag trafen sich die Teilnehmer vor dem imposanten Haus in Blickweite zum WDR und zum Verwaltungsgericht. Wofür das kryptische EL-DE steht, erfuhr die Gruppe direkt zu Beginn der Führung: Der Erbauer des Hauses war ein Kaufmann namens Leopold (EL) Dahmen (DE). In den 1930er Jahren vermietet er das Haus an die Gestapo, die hier ihre Dienststelle einrichtete und in den Kellerräumen Gefängniszellen und Wachräume schuf. Im Innenhof wurde ein Galgen errichtet.

Zwischen 1935 und 1945 war das EL-DE-Haus die Zentrale nationalsozialistischer Herrschaft in Köln. Danach nutzte die Stadt Köln es als Dienstgebäude weiter (und tut es immer noch). Dienststellen und NS-Dokumentationszentrum sind Mieter, das Gebäude ist noch heute im Familienbesitz.

Lange blendeten Stadt und Stadtgesellschaft aus, was in den Räumen an Unrecht geschehen war. Erst Ende der siebziger Jahre setzte – angestoßen durch private Initiativen – die Aufarbeitung ein. 1981 wurden die Zellen im
Keller als Gedenkstätte eingerichtet. Seit 1988 beherbergt das EL-DE-Haus das NS-Dokumentationszentrum der Stadt.

Beeindruckt waren viele Teilnehmer von der durchdachten Konzeption der Ausstellung. Die meisten Fenster sind blickdicht, damit Betrachter nicht von Schriftafeln und Bildern abgelenkt werden. Die Wände sind als kahle Mauern
gestaltet, denn es geht nicht um hübsche Einrichtung, sondern um das, was Menschen in diesen Mauern erlebt haben. Themenräume geben einen tiefen Einblick in einzelne Aspekte der Nazi-Vergangenheit.

Mehr als nur sehen können Besucherinnen und Besucher im Keller des Hauses: Hier konnte die KJV-Gruppe die Vergangenheit förmlich spüren, nicht nur beim Blick in die kleinen Zellen. Dokumentiert sind hunderte Inschriften in vielerlei Sprachen. Viele der Häftlinge waren Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter, die an den Wänden einen letzten Gruß an ihre Familien zurückließen. Auf Tafeln sind die übersetzten Inschriften zu lesen, teils ergänzt um biografische Daten, wo es gelungen ist, die Urheber zu identifizieren. Zeugnisse vom Leid derjenigen, die hier eingesperrt waren.

Sebastian Gerber

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